Die Ernährung der Azteken in Tenochtitlan: Ein Meisterwerk der Aquaponik

Die Ernährung der Azteken in Tenochtitlan: Ein Meisterwerk der Aquaponik

Die Azteken, ein prähispanisches Volk, dessen Kultur im Tal von Mexiko – dem heutigen Mexiko-Stadt waren wahre Meister der nachhaltigen Landwirtschaft. Besonders beeindruckend waren ihr Wissen und ihre Anwendung der Aquaponik, einer Technik, die Fischzucht und Pflanzenanbau in einem geschlossenen Kreislaufsystem kombiniert.

Ihre Hauptstadt, Tenochtitlan, lag zwischen 1325 und 1521 auf einer Insel im Texcoco-See und war eine der größten und beeindruckendsten Städte der damaligen Welt. Die Azteken waren bekannt für ihre hoch entwickelte Kultur, ihre prächtigen Bauwerke und ihre komplexe Gesellschaftsstruktur. Sie waren ausgezeichnete Krieger und geschickte Handwerker, die prachtvolle Tempel, Paläste und eine beeindruckende Infrastruktur schufen. Ihre Religion spielte eine zentrale Rolle im täglichen Leben, mit zahlreichen Göttern und Ritualen, die eng mit der Natur und dem landwirtschaftlichen Zyklus verbunden waren.

Die Chinampas: Schwimmende Gärten

Die Azteken entwickelten die so genannten Chinampas, eines der ersten Aquaponik-Systeme der Welt. Bei diesen „schwimmenden Gärten“ handelte es sich um künstliche Inseln, die in den flachen Gewässern des Texcoco-Sees errichtet wurden. Sie bestanden aus Schichten von Schlamm, Pflanzenresten und anderen organischen Materialien, die zu einem fruchtbaren Boden aufgeschichtet wurden. Die Chinampas ernährten ein Volk von etwa 250.000 Menschen.

Wie funktionieren die Chinampas?

Die Chinampas sind nicht nur landwirtschaftliche Meisterwerke, sondern auch ökologisch nachhaltig und funktionierten wie folgendes:

  1. Bau der Inseln: Die Azteken steckten Pfähle in den Seegrund und flechteten dazwischen Matten aus Schilfrohr. Diese Strukturen wurden dann mit Erde, Schlamm und organischen Abfällen gefüllt, bis sie über die Wasseroberfläche ragten.

  2. Pflanzen und Ernten: Auf diesen fruchtbaren Inseln bauten die Azteken eine Vielzahl von Pflanzen an, darunter Mais, Bohnen, Kürbis, Tomaten und Chilis. Diese Pflanzen wuchsen prächtig dank der nährstoffreichen Erde und dem ständigen Zugang zu Wasser.

  3. Fischzucht: In den Kanälen zwischen den Chinampas hielten die Azteken Fische und Amphibien wie den bekannte Axolotl und diverse Froschsorten. Die heimische Fauna produzierte Abfälle, die in das Wasser gelangten und von den Pflanzen aufgenommen wurden. Im Gegenzug reinigten die Pflanzen das Wasser, bevor es zurück zu den Fischen gelangte.

Bau der Chinampas im Detail

Der Bau der Chinampas war ein mehrstufiger Prozess, der sorgfältige Planung und kontinuierliche Pflege erforderte:

  1. Standortwahl und Abstecken: Zunächst wählten die Azteken flache, seichte Stellen im See, die gut zugänglich waren. Sie steckten die Ränder der geplanten Chinampa mit langen Pfählen ab, die in den Seegrund gerammt wurden.

  2. Errichtung der Grundstruktur: Zwischen diesen Pfählen wurden Matten aus Schilfrohr und anderen wasserresistenten Pflanzenmaterialien verflochten. Diese Matten bildeten das Grundgerüst und sorgten dafür, dass die Struktur stabil blieb und nicht auseinanderdriftete.

  3. Aufschichtung der Erde: Auf die Schilfrohrmatten schichteten die Azteken Schlamm und Erde aus dem Seegrund sowie organische Abfälle wie Pflanzenreste. Diese Schichten wurden kontinuierlich aufgetragen und verdichtet, bis die Insel über die Wasseroberfläche ragte. Durch das Hinzufügen von organischem Material sorgten sie dafür, dass der Boden fruchtbar und reich an Nährstoffen war.

  4. Bewässerung und Pflege: Zwischen den Chinampas wurden Kanäle belassen, die nicht nur als Verkehrswege dienten, sondern auch der Bewässerung der Pflanzen. Die Wurzeln der Pflanzen konnten direkt in das nährstoffreiche Wasser wachsen, was deren Wachstum förderte und gleichzeitig die Wasserqualität für die Fische verbesserte.

Die heutige Existenz der Chinampas

Heutzutage existieren noch einige der alten Chinampas, vor allem im Gebiet von Xochimilco, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt. Diese historischen landwirtschaftlichen Flächen sind nicht nur ein bedeutendes kulturelles Erbe, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der lokalen Landwirtschaft. In Xochimilco werden weiterhin Gemüse, Blumen und andere Nutzpflanzen angebaut, ähnlich wie zur Zeit der Azteken.

Die modernen Chinampas in Xochimilco stehen jedoch vor vielen Herausforderungen. Urbanisierung, Verschmutzung und der Klimawandel bedrohen diese einzigartigen Landwirtschaftssysteme. Dennoch gibt es Anstrengungen, sie zu erhalten und zu restaurieren. Organisationen und lokale Gemeinschaften setzen sich dafür ein, die traditionellen Anbaumethoden zu bewahren und die Chinampas als nachhaltige landwirtschaftliche Praxis wiederzubeleben.

Vorteile der Chinampas

Die Chinampas bieten zahlreiche Vorteile. Sie ermöglichten eine hohe landwirtschaftliche Produktivität auf begrenztem Raum und sind resistent gegen Überschwemmungen. Die kontinuierliche Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen führte zu schnellen Wachstumsraten und hohen Erträgen. Es wird geschätzt, dass Chinampas bis zu 3.5 bis 7 Tonnen Mais pro Hektar pro Jahr produzieren können. Dies ist im Vergleich zu traditionellen Anbaumethoden bemerkenswert hoch. hinaus trugen die Chinampas zur Klimaregulierung bei und förderten die Biodiversität in der Region.

Fazit

Die Azteken von Tenochtitlan zeigten mit ihren Chinampas, wie durchdachte Landwirtschaftstechniken zu einer nachhaltigen und ertragreichen Ernährung führen können. Ihre innovative Nutzung der Aquaponik ist ein inspirierendes Beispiel für ökologisch verantwortungsbewusste Landwirtschaft, das auch heute noch relevant ist. Die Chinampas sind ein Zeugnis für das beeindruckende Wissen und die Anpassungsfähigkeit der Azteken und bleiben ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte der Landwirtschaft.

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